Fachplanung Denkmalpflege

Studienauftrag "Residenz Schlossgass", Salenstein

Die Parzelle «Schlossgass» in Salenstein soll überbaut werden. Drei Teams wurden zum Studienauftrag eingeladen. Die exponierte Stelle und die Nähe zu geschützten Kulturobjekten verlangen nach einer denkmalpflegerischen Fachbegleitung.

Die Parzelle «Schlossgass» befindet sich an exponierter Lage am Rand des Dorfs Salenstein, in direkter Nähe zum Schloss (als «sehr wertvoll» kategorisiert) und zu diversen weiteren «wertvollen» und «bemerkenswerten» Kulturobjekten. Das Gebiet im Osten, Süden und Westen der Parzelle ist als geschütztes Ortsbild «A» bzw. «a» ausgewiesen. Es handelt sich um ein Grundstück an abschüssiger Hanglage, das in den 1970er Jahren für den Bau einer Villa aufgeschüttet wurde. Die Aussicht geht gegen Norden zum Bodensee und bis ans deutsche Ufer.

Eigentümerin der inzwischen abgebrochenen Villa war die deutsche Opernsängerin Annelise Rothenberger. Das Haus erstreckte sich über eine grosse Fläche und bestand aus einem weitgehend eingeschossigen Gebäude, dessen nordwestliche Flügel über ein Sockelgeschoss verfügten. Luftbildaufnahmen zeigen, dass die Topografie der Parzelle beim Bau der Villa stark verändert wurde, wahrscheinlich um die Aussicht zu verbessern und um eine geeignete, bebaubare Fläche am Hang zu generieren. Aufgrund der bereits existierenden Villa wurde die gesamte Parzelle bei der Erstellung des Zonenplans als Wohnzone W1 klassifiziert, was nun die Möglichkeit einer grösseren Überbauung bietet. Die potentielle Ausnutzung ist aus denkmalpflegerischer Sicht – so nahe an den von weither einsehbaren, hochwertigen Schutzobjekten – an der obersten Grenze; sie kann nur dann ausgeschöpft werden, wenn das Projekt eine sehr hohe ortsbauliche und architektonische Qualität ausweist und die historische Bebauung nicht beeinträchtigt.

Ein Vorteil der grossen, zusammenhängenden Landreserve ist, dass mehrere Wohneinheiten zusammengefasst werden können und dafür der Hangfuss grün und unbebaut gelassen werden kann. Unser Projekt basiert auf dieser Idee: Nämlich dass die Wohnbauten wie bei einem historischen Ortsteil in dichter Art und Weise auf der Hügelkrone angeordnet sind, so dass die Topografie auch aus der Fernsicht weiterhin erfahrbar ist. Vorbilder für diese Bauweise gibt es in der direkten Nähe, nämlich die zweigeschossigen Wohn- und Ökonomiebauten auf den westlichen und südlichen Ausläufern des Schlosshügels. Unser Projekt überführt die gleiche Haltung in eine zeitgemässe Sprache. Durch die Staffelung der Grundrisse und Gebäudehöhen, das Zurückversetzen der Glasflächen hinter die vortretenden Schotten, die Verwendung von mural wirkenden, natürlichen Materialien und die vorgesehene, extensive Begrünung von Fassaden und Dächern wird die Überbauung bestmöglich in den Kontext eingebunden. Die im Fussabdruck durchaus wuchtige Bebauung wirkt in den Ansichten durch ihre sanfte Farbgebung und Durchgrünung leicht und gut eingepasst. Sie konkurrenziert das Schloss Salenstein nicht, sondern füllt die heute bestehende, bauliche Lücke zwischen dem Dorf und dem Einfamilienhausgebiet mit einer zwar dichten, aber überzeugenden Architektur.